Zur Entschläunigung einer Urlaubsreise bietet sich eine gemächliche Seefahrt an. In Japan gibt es viele Möglichkeiten mit der Fähre von A nach B zu bewegen. Eine der Routen führt von Naha (Okinawa) nach Kagoshima (Kyushu) mit einer „Frachtfähre“ der japanischen A-Lines oder Marix Lines. Diese beiden Unternehmen bedienen diese Strecke mit ihren Schiffen, die primär dem Transport und der Versorung der vielen Inseln zwischen Okinawa und dem Festland dienen.

Der Dampfer verlässt Naha um 7:00 Uhr und macht bis Kagoshima 5 Zwischenstopps. Um 9:00 Uhr in der Nähe von Nago (Okinawa), um 11:50 Uhr in Yoron-Jima um 14:10 Uhr in Okinerabu-Jima um 16:30 Uhr in Tokunoshima und um 20:30 Uhr in Amami-Island. Am nächsten Tag um 8:30 Uhr endet die Überfahrt in Kagoshima.
Die Fahrt lässt sich also auch wunderbar zum Insel-Hopping nutzten – wo es gefällt aussteigen und an einem der nächsten Tage auf der gleichen Route weiterfahren. Hierfür soll es ein Tickt geben, dass Unterbrechungen der Fahrt erlaubt.

Wir sind Mitte September 2013 in Naha in See gestochen – mit der „Akebono“ einem Schiff der A´´ Line Ferry. Die Überfahrtfahrt dauert 25,5 Stunden und wird täglich von beiden Anbietern bedient – sowohl von Naha nach Kagoshima als auch in die andere Richtung. Die Schiffe transportieren zwischen den Inseln und dem Festland alles, was zum Leben benötigt wird – und zudem Passagiere. Auf unserem Dampfer standen für die Passagiere 2 Etagen (oder heißt es Decks…?) zur Verfügung. Insgesamt 682 Personen werden maximal mit unserem Schiff befördert. Auf unserer Passage war die Akebono schätzungsweise – nur zu 1/3 belegt. Die meisten Passagiere waren Bewohner der Inseln auf dem Weg nach Kagoshima oder Japaner mit viel Zeit, mit Freude an der Entschläunigung oder zu wenig Yen für einen Flug. Neben uns waren gefühlt nur etwa 6 weitere Touristen an Bord.

Eine recht gute Übersicht der Fährverbindungen in Japan gibt es auch auf www.japan-guide.com.

 

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Ready for boarding – die A Ferry am frühen Morgen im Hafen Tondocho

 

Die Tickets für die Überfahrt kauft man am Tag der Abreise gleich am Schalter der A Lines am Hafen „Naha Port“ im dortigen Hafengebäude; in Naha gibt es drei Häfen (Naha Port, Naha New Port und Naha Tomari Port).  Wir waren zwar schon einige Tage vor unserer Abreise zur „Reisebuchung“ am Schalter, wurden allerdings darauf hingewiesen (mit ein wenig Englisch und viel Händen und Füßen – also etwas mehr Zeit mitbringen, damit die Verständigung klappt), dass wir die Tickets am Tag der Abreise kaufen sollten/könnten.

 

Hafengebäude der Trostlosigkeit.

Das Hafengebäude hinterlässt einen etwas trostlosen Eindruck – hat dafür aber einen beliebten Getränkeautomaten.

 

Der Schlafsaal hält, was er verspricht – Japanese Style pur

Am Tag der Abreise heißt es: früh aufstehen, denn das Schiff legt pünktlich um 7:00 Uhr morgens vom Hafen Tondocho ab und der Ticket-Schalter öffnet um 6:00 Uhr.
Wir hatten uns für die japanische Variante der Übernachtung entschieden – soll heißen: 2qm im Schalfsaal (Außenkabine…) für insgesamt 28 Personen (es gibt noch wesentlich größere Schlafsäle, die etwa 50 Personen fassen müssen). Pro Person kostet die Überfahrt mit dieser günstigesten Variante 15.200 Yen. Es gibt zudem 4er und 2er Kabinen. In der 4er Innenkabine kostet die Überfahrt 21.200 Yen, in der einfachen Variante er 2er Innenkabine 29.400 Yen (jeweils mit Etagenbetten) und für die Luxussuite mit Bullauge und richtigem Bett werden je Person 36.500 Yen aufgerufen.

Auf dem Schiff gibt es saubere sanitäre Anlage und Duschen die völlig o.k. und ebenfalls sauber sind (sie haben mich ein bisschen an die Duschen unsere Freibades in den 80er Jahren erinnert…).

 

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Gemütlichkeit wird im Schlafsall groß geschrieben und der schwarze Kasten auf der Decke ist das Kopfkissen…

 

Übrigens: die Nacht im Schlafsaal war recht angenehm. Das mag daran gelegen haben, dass nur etwa 25% der Schlafmatten belegt waren, es keine bis wenige Schnarcher gab und Oropax die restlichen Geräusche weggedämmt hatte. Nachts war es somit relativ ruhig und die Schlafgelegenheit überraschend bequem – insbesondere, wenn man zuvor schon einige Male in Unterküften im japanischen Stil auf Futons genächtigt hat.

 

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Anker gelichtet, die Akebono nimmt Fahrt auf. Sayonara Naha.

 

Vor Okinawa – auf dem Weg zur nächsten Insel.

 

Die Unterhaltung an Bord ist individuell und selbstgemacht

Für Unterhaltung ist an Board in Form von verschiedenen Automaten: Bier-, Pommes-, Zigaretten- und diversen Getränkeautomaten gesorgt. Das Board-Restaurant öffnet zum Abendessen gegen 18 – 19 Uhr (einfach auf die Durchsage achten – Japanischkenntnisse vorausgesetzt… oder wie wir: der Herde folgen) und zum japanischen Frühstück um 7:00 Uhr.
Soll heißen: „Aida“- und „Mein Schiff“-Erprobte werden sich sehr wahrscheinlich unglaublich langweilen (es gibt keine Bar, kein Pool, keine Liegestühle an Deck und für ein Kino, Theater und Shopping-Center an Board ist einfach kein Platz…und das Kaptains-Dinner ist an Bord per se und glücklicherweise unbekannt).

Es empfiehlt sich zusätzlich einige Lebensmittel und Trinkwasser mit an Board zu bringen. Das verkürzt die Wartezeit bis zum Abendessen, schont den Geldbeutel und reduziert die Anzahl der Gänge zum Getränke- oder Pommesautomaten.

 

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Pommes aus dem Automaten. In Belgien als Neuheit gefeiert – in Japan auf der Fähre zu haben. Geschmacklich allerdings nicht alternativlos.

 

Es wird also pauschal wenig zum Zeitvertreib geboten; das heißt: Beste Voraussetzungen um die Fahrt tatsächlich zu genießen. Wir hatten ein grandioses, sonniges Wetter und verbrachten viel Zeit an Deck in der oberen oder unteren Etage.
Vermisst haben wir Sitzgelegenheiten an Deck – Liegestühle oder einfach nur ein paar schlichte Stühle zum Verweilen. Dieser ungewollte Verzicht mag daran liegen, dass die japanischen Passagiere die meiste Zeit innerhalb des klimatisierten Dampfers verbrachten und nur sehr wenig Zeit an an der „frischen Luft“.

 

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Wir werden erwartet. Kein Leichtes Manöver – Anlegen bei schwerer See auf Okinoerabu Jima.

 

Ein großes Event waren für uns stets die kurzen Zwischenaufenthalte und das damit verbundene Treiben beim Be- und Entladen der Fähre. Viele kleine und große Gabelstapler fahren im atemberaubenden Tempo vom und auf das Schiffe, transportieren Container kreuz und quer ohne auch nur einmal zusammenzustoßen oder gar vom Steeg zu stürzen und im unglaublich türkisblauen Hafenbecken zu versinken.

 

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Blaues Meer und freundlicher Empfang – wir werden ans Pier gezogen…

 

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…und beim Auslaufen freundlich mit einer Verbeugung vom Hafenpersonal verabschiedet – jeder bleibt auf Position bis der Dampfer wieder das offene Meer erreicht hat.

 

Der Wellengang hielt sich in Grenzen – obwohl unser Schiff ungeplant einen Tag länger in Naha liegen und dort warten musste, da wenige Tage zuvor ein Taifun über die Inseln hinwegzog und das Meer zu unruhig für eine Überfahrt war. Bei unserer Überfahrt gab es Wellen um die 3-4 m. Nichts für sehr empfindliche Seefahrer und mutige Leichtmatrosen – an Deck selbs kein Problem nur nachts, auf dem Futon liegend nimmt man den Wellengang noch einmal intensiver wahr. Jedenfalls ist es keinem der Passagiere merklich schlecht geworden – alles im grünen Bereich.
Wer sicher gehen möchte, informiert sich zuvor über die Höhe der Wellen und mögliche Stürme bei der Japan Meteorolagical Agency.

 

 

Land in Sicht, Vulkan Ahoi – die Einfahrt in die Bucht von Kagoshima

Schon vor 6:00 Uhr morgens ist wieder Land in Sicht. Vor der Einfahrt in die Bucht von Kagoshima passieren wir Yakushima (Aussteigen leider nicht Möglich – doch per Boot von Kagoshima erreichbar) und bei der Einfahrt in die Bucht den Vulkan Kaimanondake. Nicht nur für Frühaufsteher lohnt es sich der Sonnenaufgang und der Ausblick an Deck. Also: Unbedingt den Wecker stellen.
Dann ein kurzes Frühstück, danach zurück an Deck – der „Hausvulkan“ Mt. Sakurajima, der unmittelbar vor Kagoshima liegt ist aktiv und spuckt Aschewolken über die Stadt. Ein beeindruckender und etwas angenehm gruseliger Empfang. Die ganze Stadt ist eine Wolke aus Asche und Rauch gehüllt (die sich allerdings auch schon wieder verzogen hatte, bis wir am Hafen angelegt hatten).

Kagoshima unser Zielort. Die 25,5 Stunden der Überfahrt waren eine der erholsamsten Stunden während unseres Japan-Urlaubs – es war so wunderbar und angenehm langweilig auf der Akebono. Wir werden uns noch lange an das blaue Meer, die gewagten Anlegemanöver, Stunden auf dem Deck und den Blick auf´s Meer, den Sonnenuntergang bei Dosenbier, eine wunderbar schauklige Nacht auf einer Matte im Schlafsaal, die quirligen Hafenarbeiter und Gabelstapler und das Naturschauspiel in Kagoshima erinnern.

 

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Sonnenaufgang vor der Bucht von Kagoshima.

 

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Aussichten eines Frühaufstehers.

 

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Dieser Vulkan versteht keinen Spaß. Kurz vor Kagoshima werden wir mit Asche begrüßt, der unsere Zähne knirschen lässt…

 

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…und Kagoshima in Asche verhüllt.